#83 Hagel

Eindrücke die bleiben, dein Charme hinterlässt eine Delle auf der Oberfläche. Volltreffer mal wieder, kein Wunder, das Tor steht leer. Mit offenen Mündern und aufgerissenen Lidern starren sie dir hinterher. Herzen fliegen dir um die Ohren. Wäre es dabei, das eine, dieses eine, nach dem du dich sehnst, würdest du ihm deine Hand entgegen strecken. So kehrst du ihnen lediglich den Rücken. Du wirfst sie reihenweise um, alle Neune kippen. 

Deinen Kopf umgibt eine Mauer. Um sie zu erhalten, bespaßt du alle, die davor stehen. Ein Schuss. Ein Schuss Humor und dein Herz so schwer. Sein Beat so laut, dass du darum bangst, er könnte nach außen dringen. Also summst du eine Melodie, die deinen Herzschlag übertönt. Vor der Mauer fallen sie ausnahmslos in Ohnmacht. Applaudiert wird hinterher.

Zweifel rauben dir den Schlaf, nagen an dir, niemand würde es dir glauben, so perfekt spielst du deine Rolle, so überzeugend ist dein Schauspiel. Die Jahre an der Hochschule für Clownerie machen sich bezahlt. „Vom Teenage Dirtbag zum Heartbreaker“ hieß der Kurs, den du besucht hast. Dein Examen in der Tasche sehntest du dich nach mehr.

Du hast sie alle gelesen, die Klassiker und die Kontroversen. Kannst den Kanon runter beten, alle Stimmen ertönen gleichzeitig als Mantra aus deiner Kehle. Du spricht allen aus der Seele, nur dir nicht. Lehrbuchgesänge erklingen, dein eigenes Lied ertönt nicht. Man kann sich nicht selbst joiken, heißt es. 

Du weißt nicht, ob du bewundert werden willst. Wunder. Wunder vollbringen, das war dein Traum. Wunden heilen. Wundheilen. Wunderheilung. Heile Wunden, heile Welt. Voll Inbrunst hattest du es deinem Vater erklärt. Der schüttelte erst den Kopf und ließ dann den Gürtel durch die Luft sirren. Austreiben ließen sie sich nicht, die Flausen, und wurden konkret.

Du brauchst sie, die Anerkennung, und doch reicht sie nicht aus. All die Bestätigung läuft in ein Fass ohne Boden.

Es war gestern als sich unsere Blicke unter einem Hagel von Geschichten trafen. Wir duckten uns unter den aufschlagenden Körnern, unsere Schilde zum Schutz erhoben. Man braucht keinen Panzer, wenn man ehrlich ist. Wenn man ehrlich ist, dient der nur als Versteck.

Du lehrtest mich, die Wucht der Hagelkörner aufzunehmen und umzuwandeln. Seither tanze ich unter ihnen, dirigierte sie, dressiere sie. Das Prasseln eine Komposition, die Performanz eine Parodie. Meine Hand liegt in deiner und wir führen uns abwechselnd und gegenseitig durch das Unwetter. 

Ich wache auf. Wie konntest du mich träumen lassen? Was hat dich bewegt, mich in deinen Bann zu ziehen? Auf ein Blatt Papier zeichne ich drei Buchstaben, von A bis C. 

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