Foto: Juliane Luttmann

Kennst du das? fragt dich mein Herz. Wenn du so laut schlägst, dass es aus dir herauspoltert und sich in deine Worte und Taten legt? Kennst du das, wenn du jemand anderen erreichen willst und doch nicht weißt, wie? Wenn du versuchst, das, was du fühlst, zu verpacken in Seidenpapier und es einwickelst mit Bastfasern, so dass es den Appell zum vorsichtigen Umgang mittransportiert. Wenn du so lebst, als gelte es nur einem Menschen. Wenn sich die Magnetnadel nach einem Vornamen ausrichtet und dein Kurs nicht mehr abweicht. Kennst du das, wenn du einen Menschen nicht kennst, aber alles, was du von ihm weißt, das Bild bestätigt, das du von ihm malst? Wenn du einen Nagel einschlägst und daneben noch einen und eure Porträts nebeneinander hängst – in Gedanken? Wenn du weißt, wie schräg das ist, und dennoch leichtfüßig über den schrägen Fußboden schreitest? Dann legst du den Kopf halt schräg und rückst es so wieder gerade. Kennst du das, wenn Origami-Kraniche durch deinen Bauch gleiten und du sie erwartungsvoll zählst: 997, 998, 999; und nur einer fehlt. Wenn du sorgsam planst, womit du dich beschäftigst, weil alles was du tust eine Botschaft sein soll. Eine Botschaft, die als deine Identität gelesen werden kann und doch nur dazu da ist, zu überzeugen, zu imponieren, zu sagen: Guck mal, ich bin liebenswert. Wenn jede deiner Poren ihren Atem beschleunigt. Kennst du das, wenn du aus Seifenlauge schimmernde Kugeln herstellst, nur um ihnen beim Davonschweben und Zerplatzen zuzuschauen, wenn sie den Asphalt berühren? Kennst du das, wenn du ihre Spuren mit dem Kaffeefleck unter deiner Tasse vergleichst und darin liest wie in einem Satz, dass die Zukunft ist, was bleibt, was übrig bleibt, von dem, was dich berührt hat. Kennst du das, wenn du immer noch diese eine Berührung spürst. Wenn da ein Mal bleibt, von dem du nie wissen wirst, ob der andere es da absichtlich gelassen hat. Kennst du das, wenn du spüren kannst, wie die Gefühle durch die Luft schwirren, von ihm zu dir, von dir zu ihm, und du doch nicht weißt, ob du dir das einbildest und wenn nicht, wer was wie liest und ob zurecht. Kennst du das, wenn du dir jeden Millimeter gemerkt hast und eine innere Karte von dem Gebiet erstellt hast, das sich so vor dir aufgetan hast? Eine Karte, die du mit geschlossenen Augen lesen kannst, du musst nur mit den Fingerkuppen über das Papier gleiten. Eine Karte, die schon ganz rissig geworden ist, so oft hast du sie herausgeholt und den Linien nachgespürt. Kennst du das, wenn du nicht aufhören kannst, aber auch nicht anfangen? Wenn du den Abstand verringern willst, der dich vor einem Kontrollverlust bewahrt und es diese Kontrolle ist, der du dich verbissen verschrieben hast? Kennst du das, wenn du eigentlich nur eins tun willst, und alles andere nur Scharade ist, das diesem Einen nur nahe kommt, es aber nie berührt? Kennst du das, wenn das Eine zwischen deinen Worten wabert, durch deine Handlungen hindurch scheint und du dich nur einmal trauen müsstest, es zu tun, egal, welche Blessuren, Hämatome und Narben es hinterlässt. Egal, wie groß die Halbwertzeit ist, in der der Schmerz zerfällt, falls du scheiterst. Wenn das einzige, das du tun möchtest, ist – in zwei Augen schauen und sagen: Kennst du das, wenn du liebst?

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