#76 Herzbewohner

Foto: Annie Spratt

Als ich ein Kind war, hing an der Wand meines Kinderzimmers ein riesiges Stickbild. Darauf zwei knieende Kinder ind hellblauer Schlafkleidung, die Händchen zum Gebet gefaltet, und ein Text:

Ich bin klein,

mein Herz ist rein,

soll niemand drin wohnen

als Jesu allein.

Dieser Spruch lehrte mich etwas, das einer Ehrfurcht nahekommt. Zwar habe ich dem Gottessohn daraufhin nicht den Platz in meinem Herzen freigehalten – aber ich bin vorsichtig, wen ich in mein Herz lasse und wie nah an mich heran. Mein inneres Kind glaubt fest daran, dass niemand in seinem Herzen wohnen darf und dass es immer vernünftig sein muss, um das Herz rein zu halten. Aber ich bin nicht mehr klein. Mein Herz ist nicht ganz so lupenrein, geht auch gar nicht, soll es auch gar nicht. Und rund um mein Herz wohnen viele Menschen. Ich hoffe, sie nach und nach hinein lassen zu können. Die Vernunft kleiner werden zu lassen, ist harte Arbeit.

Von dem Bild habe ich mich in einem symbolischen Akt vor ein paar Wochen getrennt.

Advertisements

Was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s