In der kleinen Einzimmerwohnung beginnen sich die Umzugskartons zu stapeln. Jeden Tag einer, hast du dir vorgenommen und weißt doch nicht, ob es reicht.

Du packst Liebesbriefe ein, die du nicht abgeschickt hast. Du hältst sie in den Händen, saugst jedes Wort auf und erinnerst dich an die Momente, in denen du die Wörter geschrieben hast, jeden einzelnen Augenblick. Du möchtest irgendwas mit Entschuldigung und Tut mir leid! sagen und weißt doch, musst doch verdammt nochmal wissen, dass das nicht geht, und jetzt ist doch endlich mal gut, jetzt sind die letzten vier Jahre vorbei und jetzt ist Mai, der macht doch bekanntlich alles neu, auch dich und deine Gefühle, verdammt noch mal. Und jetzt denk bloß nicht darüber nach, die Briefe heute doch noch abzuschicken.

Du kannst es nicht lassen, kannst es einfach nicht lassen, und nun packst du weiter, ein Buch nach dem anderen, entfernst die Dekoration von den Wänden, so dass ihr Weiß dir „Renovier mich“ entgegen schreit. Du träumst von Menschen, die dich besuchen kommen, denn dort muss mensch dich verdammt nochmal besuchen kommen, so schön ist es da. Jetzt werd nicht sentimental, komm schon. Du willst nicht… nein, du willst einfach nicht loslassen.

Du schaust The Danish Girl bei Bier und Kesselchips und lächelst ein wenig und denkst an den Casino Abend und dass du trotzdem hingegangen bist und wie stolz du warst und dass es sich für diesen einen Abend gelohnt hat. Was auch immer du an diesem einen Abend gefeiert hast.

Du wirfst alte Erinnerungen in den aus Peddigrohr selbst geflochtenen Papierkorb, Zeugnis eines Klinikaufenthalts, und denkst an Tage im Büro, an Telefonate und an html und stundenlange Suche bei flickr, damit sie perfekt werden, die Einträge, damit sie so werden, wie du sie dir vorstellst.

Du verabschiedest dich in Gedanken von einer Straße und jetzt fang doch bitte nicht schon wieder an zu weinen. Es kommen neue Straßen und Wege und mit ihnen neue Menschen, neue Erinnerungen, neue Hoffnungen und Chancen. Die musst du doch wollen. Wenigstens ein bisschen. Komm, probier doch mal. Probier doch wenigstens.

Einen Strohhalm. Einen Zipfel eines Taus. Irgendeine Verbindung. Denkst du. Wenigstens das. Komm, ich leg es in deine Hände. Hier hast du das eine Ende. Bitte lass es nicht los.

Umziehen – eure Empfindungen, Erfahrungen und Gedanken

Was löst ein Umzug in euch aus?

Wie geht ihr mit Fundstücken und alten Erinnerungen um? Hebt ihr sie auf, nehmt sie mit oder lasst ihr sie zurück? Mistet ihr in eurer Geschichte und in eurem Herzen aus? Nutzt ihr einen Umzug für einen Neuanstrich eurer Seele?

Mit welchem Gefühl verlasst ihr das alte Zuhause, betretet ihr das neue? Habt ihr für jeden Lebensabschnitt die passende Wohnform? Was ist euer Traum vom Leben, euer Ideal vom Wohnen, der Plan für „Wenn ich erwachsen bin…“?

Und warum verdammt noch mal tut loslassen so weh?

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2 Kommentare zu „Umzug

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