#54 Manchmal

Manchmal ertrinkst du zwischen Laken und Decken und Sonnenstrahlen, für die spots jetzt die passendere Bezeichnung wäre. Manchmal vergisst du, was du wolltest, vom Tag, von diesem Jahr, vom Leben und von dir. Das Bett lässt dich nicht los und du kannst so viel Willensstärke aufwenden, wie du willst, du kannst jetzt nicht: Wäsche abnehmen, Altpapier wegbringen, abwaschen, Post einwerfen, Wohnung suchen. Die Matratze verschluckt dich und wenn du dich ihr entreißen kannst, für einen Moment, zieht sie dich im nächsten wieder in ihre Arme. Wären das die Arme eines Geliebten, dann wäre das wenigstens was, was mit Zukunft und Gegenwart und Vergangenheit und so. Aber es sind die Fänge der Depression, in und aus denen du dich windest.

Manchmal musst du mit pinkem Fineliner notieren, worauf es dir ankommt, damit du da raus kommst. Dann schmiedest du Pläne: Milch aus dem Gartetal, Brot selber backen, Gemüse- und Obstkiste aus der Region, ein Fahrrad, Katzen, Sport, ein Job, eine Wohnung, Natur und Spaziergänge und Wald und Freund*innen und Kochsessions und laue Sommerabende auf dem Balkon. Dann musst du die Wäsche trotzdem abnehmen und das kaputte Lattenrost bei Facebook zu verschenken anbieten und trotzdem abwaschen und den Brief fertig machen und ein bisschen aufräumen und Wohnungsbilder bei SoLebIch anschauen und eine Verabredungsanfrage versenden und zwei Wohnungsanbieter kontaktieren und dann passt das schon. Manchmal musst du Dinge einfach einen Tag schleifen lassen, um sie dann wieder mit Elan angehen zu können. Manchmal musst du dich eben ein bisschen zwingen, damit die Lust wiederkommt.

Manchmal stehst du inmitten einem Dutzend Katzen. Du kniest dich hin, das Kind tut es dir gleich, und die Katzen schleichen um deine Beine und stoßen mit ihren Köpfchen gegen deine Hände, als wollten sie dir etwas mitteilen. Hand auf Katzenkopf, über den Katzenrücken und den Schwanz entlang spürst du dieses Leben, dieses Tier, dieses hier, dieses jetzt. Du stehst auf und schaust aus dem Fenster in den Katzengarten und auf die Sonnenflecken im Gras und dann neben dich auf deinen Sohn und das ist der Moment, in dem du weißt, dass du dein Leben liebst und dass du es selbst gestalten kannst.

Manchmal verlässt du das Haus und dann steht da eine schwarzgraue Katze auf der Straße, du machst lockende, fiepende Geräusche, kniest nieder, und die Katzen kommt zu dir. Grüne Augen, verschmust, wirft sich nieder und das ist der Moment, in dem du entscheidest, dass Katzen definitiv in deinen Alltag gehören.

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