„DUM-DE geht mein trochäisches Herz“

Ich habe soeben die Lektüre von Bethan Roberts‘ „Der Liebhaber meines Mannes“ abgeschlossen und den Film „Yossi“ gesehen. Das trochäische Herz ist, was bleibt.

Zwischendurch hat das Herz immer mal wieder Aussetzer, es verkehrt sich, ändert den Rhythmus, schlägt Purzelbäume. Damit das nicht mehr so häufig (sprich: jeden Tag) passiert, wurden Vorkehrungen getroffen. Herzhygiene.

Man muss es streicheln, liebkosen, manchmal sanft schelten, zurecht weisen, des Platzes verweisen, wenn es übermütig wird, und dann nachgiebig sein.

Man muss sein eigener Kardiologe (m/w) sein und dem gleichzeitig nicht so viel Beachtung schenken.

Man muss ihm gut zusprechen, damit es im Takt bleibt und ihm wieder aufhelfen, wenn es stolpert.

Manchmal muss man sagen: Jetzt nicht. Und einfach weitermachen oder umdrehen oder stillstehen. Manchmal muss man sagen: Guter Freund, ich weiß, du hast Recht. Aber da lässt sich nunmal nichts machen. Nada. Niente. Nincs.

Dann steht man da mit diesem traurigen Blick, diesem begossener Pudel-Blick, mit der Sehnsucht in den Augen und dem sich zusammen ziehenden Herzen. Dann beugt man sich dem, den Regeln, den Konventionen, den ungeschriebenen Gesetzen oder einfach nur dem, was die Lippen gegenüber formen. Das Herz schreit: Schrei!, doch man schüttelt nur den Kopf, macht alles so, wie es sein soll, braves, artiges Kind, das man immer war, und schluckt seine Begierden herunter, verkramt sie irgendwo in den Windungen im Inneren, Tür auf, Gefühl hinein, Tür zu, wie ein alter Kleiderschrank, weiß mit blauen Rändern, auf dem Dachboden. Schrei! versucht es das Herz noch einmal, erst etwas kräftiger, dann langsam verstummend, weil nichts außer Schweigen folgt und ein Abnicken, ein Abfinden mit der Situation. Heute nicht, lautet die Antwort, niemals nicht.

Ich stelle mir vor, wie ich dir sage: Mein Herz bereitet mir Kummer. Es ist unglaublich gut darin, mir Kummer zu bereiten. Besser noch als meine Gedanken. Und wie du dann antwortest.

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