#13 Wenn ich dich sehe…

Wenn ich dich sehe, dann in sekundenlangen Sequenzen. Immer bist du in Bewegung und doch statisch. Du bist eine Momentaufnahme, die Vorsicht (oder: Klappe) ruft und dann um die Ecke verschwindet. Es hat nichts Flüchtiges, es ist ein Statement, immer wieder. Wie ein Ausrufezeichen hinter ein Wort mit zwei Buchstaben gesetzt. Ein Oh! oder Ah! oder ein bübisch-neckisches Hi!

Wenn ich dich sehe, dann in einem Wort oder in der Art, wie das Licht fällt. Wie es sich durch den Dschungel des Geästs einen Weg bahnt und konzentriert in einem Punkt vor meinen Füßen landet. Ich sehe dich in einem Wort, in einem Satz, der da so für sich steht und etwas ganz anderes meint. Und manchmal ist das nicht mehr normal.

Wenn ich dich sehe, dann in einer Erinnerung, die zunächst kurz aufblitzt und sich dann in ein Flashback verwandelt. Dann schmecke ich Gerüche und rieche deine Stimme.

Wenn ich dich sehe, dann darin, wie ich dich vermeide. Wie ich die Gedanken an dich streichle und dann in einen Pappkarton lege, eine Seidenschleife drum herum. Ich sehe dich darin, wie ich dich verschweige. Wie du in den Pausen zwischen den Worten liegst und niemand dich wahrnimmt außer mir. Ich sehe dich auch in den Worten, in denen ich dich erwähne, während die Pausen dazwischen du-los sind.

Ich sehe dich in dem Surren der Mücke, die nachts um meinen Kopf kreist. Hörbar da und doch nicht greifbar. Wie ich versuche, dich zu packen, dich irgendwie in die Hände zu bekommen, und du immer schon zwei Schritte weiter bist.

Ich sehe dich auf der Metaebene, wo du dich so positionierst, dass ich sehen kann, dass auch deine Körperhaltung ein Statement ist. Es ist eine Parodie auf die Männlichkeit und ich kann in deinen Augen sehen, dass du merkst, dass ich das erahne. Dann rührst du dich, veränderst deine Sitzhaltung und lässt die Beine baumeln, unbekümmert, als würdest du auf einem Dachfirst sitzen und nicht wissen, wie tief ein Fall wäre.

Ich sehe dich, auch jetzt noch, nach all den Jahren, in denen wir uns in Wirklichkeit gar nicht weiter bewegt haben. Ich sehe dich, obwohl wir nicht mehr das sind, was wir mal waren. Du bist dort geblieben, wo ich dich gelassen habe und ich dort, wo du mich ließt.

Ich sehe dich und ich wünsche dir, dass alles ist, wie es sein soll, und das Beste, das ich mir denken kann.

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