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Vor wenigen Monaten drehte ich mich durch etwas, das manchmal Leidenschaft und Fluch zugleich sein kann, wie eine Schraube immer weiter in die Paranoia hinein: Das Schreiben fürs Internet. Es dauerte lange bis ich keine Angst mehr vor dem hatte, was passieren könnte, nachdem ich geschrieben hatte. Als könnten Worte gleichzeitig meine Welt aufbauen und direkt wieder zum Einsturz bringen. Ein Kartenhaus aus Bierdeckeln, bei dem es eine Frage des Geschicks oder des Glücks ist, ob es stabil oder fragil ist. Die Folge: Ich löschte einen Blog, drückte in meinem Leben die Pausetaste. Pause, Rewind, Replace. So einfach wie das klingt, war es nicht.

Ich kann nicht nicht schreiben. So wie wir nicht nicht kommunizieren können, ist das etwas, das einfach passiert. Schön, wenn dann Menschen da sind, die einen darin bestärken, Texte online zu stellen. Damit Andere die Chance haben zu lesen und sich wiederzufinden oder aber mit dem Kopf zu schütteln – Nein, nein, das kenn ich nicht -, die Nase zu rümpfen oder sich die Haare zu raufen. Der nachfolgende Text ist so einer, der zunächst nur für einen anderen Menschen bestimmt war und nun in die unendlichen Weiten des WWW hinausposaunt wird. Viel Vergnügen beim Lesen!

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Leicht

Weißt du, eigentlich wollte ich das nicht. Eigentlich wollte ich nicht stolpern, von dort hierher. Von dort, wo ich gewütet und getobt habe, geschrien und geflucht, geweint und geschluchzt, gebetet und gehofft, von dort, direkt in deine Arme. Eigentlich wollte ich dort bleiben, weil ich wusste, dass dort und ich zusammen gehören. So wie nur irgendwas zusammen gehören kann. Aber dann warst da du und du warst so einfach.

Erst hatte ich Angst, so wie ich vor allem Angst habe, was neu ist, meistens. Alles war seltsam und in mir stiegen Zweifel und Misstrauen auf. Aber dann lag ich eine Nacht lang wach mit Gedanken an dort und an dich, die ich in Waagschalen legte und gegeneinander abwog und das eine wog schwerer als das andere und ich dachte, es darf doch auch mal leicht sein.

Und dann warst du so leicht. Nicht leicht im Sinne von ‚Ich hebe ab und kann mich nicht mehr spüren, weil alles so hui ist und ich da nicht mehr mitkomme‘, sondern wirklich einfach nur leicht. Da war kein Wenn, kein Aber, kein Verboten-Schild, kein Zutritt-verboten, kein Berühren-verboten, kein Einbahnstraßenschild, kein Sackgassenschild. Da waren einfach nur du und ich. Da war kein Hadern und kein Zögern. Da war kein ‚Ich lauf mit dem Kopf gegen eine Wand … und pralle ab‘. Da war einfach nur ein ‚Okay, warum nicht?‘

Und jetzt, da bin ich einfach froh, dass das Schwere immer mehr zu einer Erinnerung verblasst und mir nur noch manchmal das Atmen schwer fällt und ich nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist. Dass alles ein bisschen ruhiger und unaufgeregter geworden ist.

Und manchmal bekomme ich Angst, dass das hier nur ein Neubeginn von dort ist. Mit denselben Gefühlen und anderen Darstellern.

PS: Meistens stößt die wunderbare Kathrin Weßling mit ihren Texten bei mir übrigens irgendwas an. Ein Domino-Stein, der umkippt, und schon purzeln die Worte aus mir heraus. Findet ihr hier: http://kathrinwessling.de/

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