#5 Vergangenes

Ich lese Nina Blazons „Liebten wir“.

Es ist, als würde ich in die Zeit zurückgeworfen, bevor Alles zerbrach. Ich lebte zwischen Gemälden Helene Schjerfbecks, Romanen Arto Paasilinnas und Kinderspielzeug. Ich saß in Uni-Seminaren mit einer Handvoll Studierender und pendelte zwischen Institut und Kinderkrippe und Mensa hin und her. Ich träumte von Finnland, überquerte den überfrorenen Jyväsjärvi und spazierte durchs Ateneum. Ich deckte mich mit Mumin-Souvenirs und Fazer-Schokolade ein, aß Karelische Piroggen, Leipäjuusto und Mämmi, und wenn ich wieder Zuhause war, robbte ich zwischen Playmobil-Tieren auf dem Boden herum oder buk Sandkastenkuchen. Ich war unbeschwert, alles war fein, alles war hieno. Finnischem Tango sah ich nur als unbeteiligter Beobachter von außen zu. Schwermut überließ ich Anderen.

Es ist, als würde ich einen Teil von mir wiederfinden. Als vergilbtes Foto eingeklemmt zwischen zwei Buchseiten.

Ich, wie ich mit einer ausladenden Geste alles vom Tisch wische. Wie es polternd und krachend, zerberstend und -brechend zu Boden geht.

Ich, wie ich auf mein Leben starre, als sei es ein Fremder.

Ich, wie ich versuche, es neu zu ordnen. Die Scherben, das Zerbrochene, wie Puzzleteile aneinander füge. Ohne Kitt, damit ich sie wieder auseinander nehmen kann, weil sie nicht passen. Weil das Bild, das entsteht einfach nicht passt.

Ich, wie ich alles fest an mich drücke und rigoros von mir weise.

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