#4 Nichts gelernt außer [ ]

Die Leichtigkeit von Altglas.

In der Zimmerecke türmen sich Altpapierlasten,
ich verschlafe to do-Listen und dann,
eines Tages,
wache ich auf,
rümpel ich aus,
stolpere hinaus
und bringe Ordnung in das, was liegen geblieben ist,
während das Chaos in meinem Kopf von Neuem beginnt.

Ich verfalle dem Zen,
falle aus meiner Rolle,
schlüpfe hinein in das mir bekannte Kostüm,
fave Sprüche,
klopfe auf Holz
und sitze im Stillen.

Ich stolpere überall hin,
nur nicht in dein Herz,
vermute ich,
und so schleiche ich durch die Welt,
den Kopf voller Flausen,
die ihn nie verlassen werden,
das Herz, meins, aus Zement
und die Gedanken, die auch.

Ich lese etwas über das Sehnen,
eine Leseprobe aus einem Krimi,
und denke „ja ja“ und nicke und nicke.

Ich bete nur,
dass sie mich dieses Mal verschont,
die Angst, die größer ist als alles sonst.
Dass sie ausbleibt,
damit ich nicht fortlaufen,
nicht schreiben,
bloß nicht schreiben muss,
nicht schreien, damit es jemand hört
und sie zum Schweigen bringt,
die Angst,
die mich nur anstarrt
und sich dann vor Lachen biegt
und nicht mehr halten kann.
Die ich nicht mehr halten kann,
weil sie zu schwer geworden ist.
Wäre nicht das erste,
nicht das zweite,
nicht das dritte Mal.

Ich habe es schwarz auf weiß.
Dass ich mir unrecht getan habe,
dass ich dir unrecht getan habe,
dass ich allem und jedem
und keinem gerecht geworden bin
außer der Angst.

Die Worte stammen nicht aus meiner Feder,
wohl aber aus meinem Mund,
kamen aus meinem Herzen,
zusammen mit Tränen,
sind durch einen anderen Menschen hindurch gewandert,
der sich Gedanken gemacht
und formuliert hat,
[ich ignoriere die Rechtschreib- und Grammatikfehler,]
was aus mir herausgepurzelt kam,
[unordentlich,
bis es in Ordnung gebracht wurde,]
während ich ihm gegenüber saß
und mich immer mehr verlor
und wiederfand
und mit mir rang,
bis ich,
ja, bis [].

Und wenn mein Herz klopft und meine Gedanken sich verwirren,
dann presse ich die paar Seiten beschriebenes Papier an mich,
als könnte es etwas ändern,
als würde es etwas ausmachen,
als wäre es von Bedeutung.

Die Kehrmaschine ist unhörbar geworden dieser Tage
oder vielleicht bin ich auch nur abgehärtet
vom Geräusch der Reinigungskräfte jeden Morgen,
zwei Monate lang,
oder von ich weiß nicht was,
dass ich nicht mehr höre, wie sie durch mein Zimmer,
durch meine kleine 1-Raum-Wohnung fährt,
eingelullt,
eingehüllt,
vielleicht genesen, ein kleines Stück,
entstresst, entspannt, beruhigt, gelassen.

Zusammen mit dem Altpapier wandert meine Sorge in den Container
und ich schieb noch schnell ein paar Gedanken und Hashtags hinterher.
Und wünsche mir, es wäre Altglas.
Zum Durchschauen, zum Zerdeppern, zum Recyclen.

Du.

Du nimmst immer zwei Stiegen auf einmal, bist immer in Eile, hastest immer von A nach B, als gelte es, Nichts zu verpassen,Nichts zu verlieren, Nichts zu vermasseln. Manchmal frage ich mich, was dieses Nichts ausmacht. Du sprintest durch die Gänge und deine Schritte hallen wider, das Klacken, wenn deine Füße den Boden berühren, ist so charakteristisch für dich, dass wir dich nur an diesem Klang erkennen.Deine Gesichtszüge verändern sich, ändern sich immerfort. Jedes Mal, wenn wir dich sehen, siehst du anders aus. Als müsstest du nur einmal über dein Gesicht streichen und schon wärst du wer anders. Und doch bist du immer noch du selbst. Dich kann man nicht austauschen, nicht wechseln wie ein Hemd. Du bist so durchschaubar, manchmal, und dann wieder undurchsichtig. Auf dich kann man sich verlassen, auf dich ist kein Verlass. Du passt immerzu auf, dass deine Worte richtig liegen. Dass sie schön zusammenpassen. Dass ich ihnen nicht ansehe, wie nervös du bist. Bis du stolperst und dann wieder aufstehst und trotzdem einfach weitermachst, als wäre nichts gewesen. Dein Blick ist fest und ich suche ihn, als ich merke, dass ich woanders hinstarre. Nehme ihn wieder auf, erwidere ihn, halte ihm Stand, doch bin ich nicht so hartnäckig, so verlässlich wie du. Ich schaue weg, du bleibst standhaft.

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