#3 Stille

Ich hab’s versucht. Ich habe mir Mühe gegeben und es ehrlich versucht. Und kurz dachte ich, ich sei gerüstet, gewappnet, bewaffnet gegen alles, was mit dieser einen Sache zu tun hat. Denn es ist nur diese eine Sache, sind nur eine Handvoll Menschen, ein paar Wörter, die sich an einer Hand abzählen lassen. Hab ja nicht damit gerechnet, dass die noch da sind und nichts mitbekommen haben von Einatmen, Ausatmen, ein, Gedanken willkommen heißen und ziehen lassen, ziehen lassen, einfach ziehen lassen, nicht bewerten, achtsam sein, hier, jetzt, aus, ein, Stille, aus, ein, und wenn’s nicht geht, dann Sinne reizen, Chili essen, Augen schließen und alles auf Anfang. Können die ja nicht wissen, dass meine Welt sich nun ohne sie dreht, und jedes „Hallo“ sie kurz bremst und dann schneller werden lässt, mehr Umdrehungen, bis mir schwindlig wird. Ist ja auch nicht ihr Problem, dass ich danach aufgescheucht bin, wie ein Huhn, wie ein Schmetterling aufgejagt von der Blume, eben noch ruhig, nun völlig durch den Wind, außer mir, nicht auf der Höhe, außer Kontrolle, aus dem Konzept, abgekommen von meiner Bahn. Aus.

Ein. Wie ich kopflos in die Videothek renne und meine Filmauswahl verrät, womit meine Gedanken beschäftigt sind. Film 1: Psychiatrie. Film 2: Burma.

Wie ich fast eine Telefonnummer wähle und mein Problem schildere und es dann doch alleine schaffe, Wärmflasche auf dem Bauch, Tee in den Händen, Gorgonzola im Bauch und Chips aus der Tüte. Können sie ja nicht wissen, dass so eine winzige Begegnung reicht, um mich in Aufregung zu versetzen. Dass das die dritte Begegnung innerhalb einer Woche ist und dass ich nun bedient bin, vorerst, wieder mal. Stopp. Pause. Aus.

Ich versuche es. Versuche, damit klar zu kommen. Wahrnehmen, akzeptieren, ein, aus, verändern, das Gegenteil tun von dem, was mein Gefühl mir rät. Herrin werden, Herrin meiner Gefühle.Hirtin, die ihre Gefühlsschäfchen alle beisammen hat, unter ihren Fittichen, streichelt, beruhigt, der Wolf ist fort, hier ist Gras, fresst und seid schön flauschig.

Können sie ja nicht wissen, dass die Gefühle alle so empfindlich sind wie ein Seismograph, der ausschlägt wie das Pendel einer Standuhr.

Konnte ich ja nicht wissen.

Ein, aus, ein Versuch, der gelingt.

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